Geschichte
Die Kraienköppe haben ihren Ursprung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Deutsch-Niederländischen Grenzgebiet im Umkreis der Städte Enschede (NL) und Bad Bentheim. Damals kam die Haltung von exotischen Hühnerrassen als Statusobjekt in der gesellschaftlichen Oberschicht in Mode. Natürlich wurden deren Tiere von Angestellten versorgt und nicht von den Herrschaften selbst. Dort aussortierte Malaien-Hähne gelangten zu dieser Zeit durch das Gesinde auf die umliegenden Bauernhöfe und setzten sich dort auf Grund ihrer Überlegenheit in den damals noch praktizierten Hahnenkämpfen durch. Aus den Kreuzungen dieser Malaien mit lokalen Landhühnern entstand ein vitaler Landhuhnschlag mit sehr heterogenem Aussehen: Zwar waren die gelbe Lauffarbe, rote Ohrlappen sowie Wulst- und Walnusskämme als asiatischer Einfluss zu erkennen, doch farblich zeigten sie sich bunt gemischt. Neben den Silberhalsigen, die erst durch die Einkreuzung von silberfarbigen Italienern vorherrschend wurden, existierten auch goldhalsige, weiße, schwarze, gesperberte und lachsfarbige Tiere. Da der Graf von Bentheim auch in Ost-Twente Grundbesitz hatte, gab es einen regen Austausch über die Landesgrenze hinweg. So ist es nicht verwunderlich, dass die Vorfahren unserer Kraienköppe auch vermehrt auf deutscher Seite heimisch wurden. Nicht nur phänotypisch gab es noch große Unterschiede, auch die Namensgebung unterschied sich wesentlich. Neben den in Bad Bentheim verbreiteten Namen „Biethauners“, was so viel wie Beißhühner heißt und auf die Kämpfereigenschaft anspielt, hat sich in Deutschland der Name „Kraienköppe“ durchgesetzt. In den Niederlanden hat er sich allerdings nicht etablieren können, da die Breda bereits den Namen „Kraaikoppen“ besitzen.
Den Schritt vom Landschlag hin zu einer Rasse mit standardisierten Merkmalen taten wohl die niederländischen Züchter. Insbesondere die Brüder Laurens, Engbert Juriaan, und Gjisbert Lasonder gelten als die Wegbegleiter der Rasse schlechthin. Sie stellten erstmals in den Jahren 1884 bis 1892 Vorgänger unserer heutigen Kraienköppe auf Ausstellungen aus. Zur 7. Internationalen Geflügelausstellung des Geflügelzüchterclubs Twente in Hengelo 1901 stellte A. L. Veldhuis in der Klasse „Einheimischer Bauernhühner“ 1,1 „Twentsch duckwing“ aus. Weitere Kataloge von Ausstellungen in Enschede 1912 und 1915 belegen, dass „Grijze Hoenders“, also „Graue Hühner“ von verschiedenen Ausstellern gezeigt wurden. Es dauerte allerdings bis zum 03. Februar 1924 bis die „Twentse Grijze“, also „Graue von Twente“ offiziell vom „Nederlandse Hoender Bond“ als Niederländische Rasse anerkannt wurden. In Deutschland schafften es die Kraienköppe erst 1925 durch Johann Wieking, der bereits 1918 Bruteier von H. J. Westenberg erhielt, zur Deutschen Junggeflügelschau in Hannover auf die Große Bühne. Heinrich Lammerskötter und Wilhelm Peil zeigten zudem erste Tiere zur Nationalen 1926 in Frankfurt/Main.
Mit der Gründung des Sondervereins der Kraienköppe am 24. Januar 1932 in Essen erhielt die organisierte Zucht eine feste Struktur. Bereits vom 11. bis 13. November 1932 fand in Hamm die erste Sonderschau statt, auf der 114 Tiere präsentiert wurden – ein beachtlicher Auftakt für die weitere Entwicklung der Rasse in Deutschland.
Auch in den Niederlanden wurde die Zucht kontinuierlich weitergeführt. Persönlichkeiten wie Gait Jan Hemmink trugen zur Festigung der Rasse bei. Erst 1966 wurden dort erstmals goldhalsige Kraienköppe auf der Ausstellung „Ornithophilia“ gezeigt; im Zuge dessen setzte sich zunehmend die Bezeichnung „Twentse Hoenders“ durch. Allerdings wurde dort erst 1985 ein SV für Kraienköppe und deren Zwerge, der „Twentse hoenderclub“ gegründet.